Wie soll es weiter gehen? – Meine Vorsätze für 2015

Nebel in den Alpen

Das Jahr 2014 ist jetzt vorbei und damit auch die Zeit der unsäglichen Jahresrückblicke. Egal, ob im Fernsehen, Radio oder Internet – überall werden die 10, 50 oder gar 100 „peinlichsten Promi-Ausrutscher“, „besten Alben“ oder „unvergesslichen Momente“ des Jahres wiedergekaut. Momente, die entweder so wichtig/spektakulär/ergreifend waren, dass sie auch ohne Jahresrückblick in Erinnerung blieben, oder eben solche, die gar so irrelevant/langweilig/belanglos waren, dass sie getrost in Vergessenheit geraten könnten. Es wird einfach ein bisschen Archivmaterial zusammenschneiden und fertig ist das dreistündige TV-Highlight.
Während dessen werden in Photoforen und -blogs werden fleißig die persönlichen Bestenlisten der eigenen Aufnahmen erstellt. Dagegen, sich mit dem eigenen, photographischen Schaffen des endenden Jahres zu befassen, ist überhaupt nichts einzuwenden. Mir persönlich ist das Auflisten der eigenen Werke allerdings zu wenig reflektierend. Daher habe ich mir überlegt, keine weitere Auflistung der „Lieblingsbilder 2014“ zu erstellen, sondern mir Gedanken darüber zu machen, womit ich in diesem Jahr nicht zufrieden war und was ich im nächsten Jahr anders machen möchte. Dies soll mehr als eine Liste von Silvestervorsätzen sein, an die ich mich spätestens Mitte Januar nicht mehr erinnern kann/möchte. Ich habe bereits darüber geschrieben, dass ich mit meinem photographischen Schaffen unzufrieden bin. Ich habe einige Zeit damit verbraucht, darüber nachzudenken, warum ich unzufrieden mit meinen Aufnahmen bin. Diese Liste an Vorsätzen soll also vielmehr ein Wegweiser heraus aus der eigenen Unzufriedenheit sein.

1. Keine Anschaffungen im Jahr 2015

Ich bin ein Gearhead. Ich besitze eine sehr große Photoausrüstung: eine DSLR, zwei analoge Kleinbildkameras, eine analoge Mittelformatkamera, eine Lochkamera und mehr Objektive als ich jemals benutzen werde. Genau genommen ist es absoluter Overkill und ich nutze nur einen Bruchteil der Ausrüstung. Nur zu leicht ist es, Photographie allein von der technischen Seite zu betrachten. Man wird zu dieser Sicht auch gerade als Einsteiger sehr stark verleitet. Besonders in Photo-Foren und themenbezogenen Youtube-Kanälen dreht es sich fast nur um technische Details. Welches Objektiv hat die höchste Randschärfe? Welche Kamera hat den größten Buffer? Wieviel hundert Euro muss ich mindestens für ein Stativ ausgeben? Ums eigentliche Photographieren geht es kaum. Bilder werden nur am Rande besprochen. Und dem will ich mich entziehen.
Mit jeder Neuanschaffung musste ich aufs Neue eine simple und offensichtliche Wahrheit lernen: bessere Ausrüstung macht einen nicht zu einem besseren Photographen. Ich will aber ein besserer Photograph werden. Und vermeintliche Schwächen meiner Ausrüstung sind nicht der Grund für meine Unzufriedenheit. Und die ständige Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen ist zeit- wie geldaufwendig. Ressourcen, die an anderer Stelle besser verwendet wären.
Mein Objektivpark deckt Brennweiten von 15 – 300 mm und Vergrößerungen über 1:1 hinaus ab. Von der technischen Seite gibt es also kaum Limitationen, was mit dieser Ausrüstung möglich ist. Die Limitation bin einzig und allein ich selbst. Deswegen nehme ich mir für das Jahr 2015 vor, nichts an Photo-Ausrüstung anzuschaffen und mich mehr aufs Photographieren selbst zu konzentrieren.

2. Mehr analog Photographieren

Das analoge Photographieren – besonders in Schwarzweiß – macht mir Spaß. Das liegt sicher zu einem guten Teil daran, dass das Photographieren mit alten Kameras und das Entwickeln des Films im heimischen Badezimmer einen handwerklichen Aspekt hinzufügt, der mir sehr liegt. Da in einem analogen Bild somit viel mehr Arbeit und persönlicher Einfluss steckt, haben die Photos einen ganz anderen Wert für mich als die digitalen.
Mein Durchsatz an Filmen war im letzten Jahr allerdings recht gering. Wenn landläufig über die Vorzüge der analogen Photographie geredet wird, dauert es höchstens drei Sätze bis das Argument der Entschleunigung kommt. Und das ist auch bis zu einem bestimmten Punkt ein berechtigtes Argument – bis zu dem Punkt, an dem ich mich befinde: Ich habe das analoge Photographieren so weit entschleunigt, dass ich mir sehr genau überlege, was und wie ich ein Motiv photographieren will. Blickwinkel, Belichtungszeit und Blende werden mit Bedacht wähle und nur, wenn ich von der Szene überzeugt bin, wird abgedrückt. Ein positiver Effekt dieser Herangehensweise ist, dass ich am Ende einen Film mit fast ausschließlich brauchbaren Photos habe. Aber Entschleunigung kann auch in Richtung Stillstand gehen. In vielen Situationen verpasse ich HCBs decisive moment, weil ich zu lange überlege, und deswegen nicht abdrücke. Oder ich bin einfach nicht 100 %ig von dem Motiv überzeugt und drücke nicht ab. Für mich geht es hier um einen Mittelweg. So gibt es eine Menge Photos, die ich nicht gemacht habe. Und manchmal nagt der Zweifel an mir, ob ich nicht vielleicht doch hätte abdrücken sollen, weil das Bild vielleicht doch hätte gut werden können. Mir geht es nicht darum, Filme mit 12 oder 36 perfekten Aufnahmen zu bekommen. Ich möchte schneller mit der Kamera werden und weniger Gelegenheiten und Motive verpassen, weil ich zu langsam oder unentschlossen bin.
Also ist mein Vorsatz für 2015: Noch öfter eine analoge Kamera mitnehmen, mehr Mut zur Lücke, das Photographieren etwas beschleunigen und im Zweifel doch abdrücken.

3. Mehr in Serien und Projekten arbeiten

Meine Photos nicht als Einzelaufnahmen sondern als Gesamtwerk zu betrachten, verdeutlicht mir, was mir in meinem photographischen Schaffen fehlt: ein roter Faden. Bei meinen Bildern sind einige dabei, die mir ganz gut gelungen sind, aber ich vermisse das verbindende Element. Mit der Erkenntnis bin ich schnell zu dem Schluss gekommen, dass ich in Zukunft mehr in Photo-Serie und Projekten arbeiten möchte. Also mir ein Thema suchen und dieses auf die eine oder andere Art photographisch umsetzen. Aber das ist auch schon der Punkt, an dem ich etwas stecken geblieben bin. Allein die Erkenntnis reicht leider nicht aus, sondern es muss auch ein Plan her. Eine Anfang habe ich mit meinem Lochkamera-Projekt f/286 gemacht. Mein Ziel für 2015 ist es aber, von den Methoden-basierten Projekten hin zu den Themen-basierten zu kommen. Mit der Suche nach einem geeigneten Thema tue ich mich gerade etwas schwer. Das liegt auch zum guten Teil daran, dass meine Vorstellungen recht diffus sind. So recht will mir kein Thema einfallen und auch bei der Umsetzung bin ich mir nicht sicher, ob ich lieber eine dokumentarische oder eine abstrakte Serie machen möchte. Aber mit dem Nachdenken ist es wie mit einem Schaukelstuhl: man ist beschäftigt, aber man kommt nicht voran. Daher muss ich wahrscheinlich einfach loslegen und hoffentlich ist es mit dem Photographieren wie mit der Nahrungsmittelaufnahme: der Appetit kommt mit dem Essen.
Mein dritter Vorsatz für 2015 lautet also: Ein Thema suchen, dieses photographisch umsetzen, bei der Stange bleiben und am Ende des Jahres ein oder zwei Serien mit 10-15 Bildern haben.

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Comments

  • lichtbildwerkerin 22. Januar 2015 Antworten

    Hallo David,

    ich wünsche dir, dass du deine Vorsätze durchhältst, ein ganzes Jahr lang nichts für´s Equipment zu kaufen ist hart, auch wenn so viel vorhanden ist ;-). Ein Projekt durch Nachdenken zu finden, ist auch schwierig. Manchmal erkennt man an seinen bisherigen Bildern, welches Thema man immer wieder aufgreift. Oder man findet Inspiration bei anderen Künstlern. Ich bin gespannt, was es bei dir sein.

    Viele Grüße

    Conny

  • David 23. Januar 2015 Antworten

    Liebe Conny,
    da hast du recht. Im eigenen Portfolio nach Mustern suchen und dann eine bereits angefangene Serie weiterzuführen, ist wahrscheinlich einfacher und erfolgversprechender. Beim Nachdenken besteht auch immer die Gefahr, dass das Ergebnis nachher zu verkopft oder gewollt ist.
    Ich bin mittlerweile mit der Suche nach einem Projekt schon ein Stück weiter. Aber bis jetzt ist das alles nur eine fixe Idee.
    Viele Grüße,
    David

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