Bayrischzell

Als berufstätige Eltern von zwei Kindern bleibt zwischen Arbeit, Haushalt, Kinderturnen und Musikgarten oft wenig Zeit für den Rest. Wenig Zeit zum Innehalten, für Zweisamkeit, für sich selbst oder gar Hobbys. So schön es auch mit Kindern sein mag, gerade in den stressigen Phasen des Alltags wünscht man sich einfach eine Pause. Ein Time-Out. Für ein paar Tage in das alte Leben vor den Kindern zurückzukehren. Nur kurz. Um die Dinge nachzuholen, die auf der Strecke bleiben. Ausschlafen, in Ruhe essen und einfach etwas Zeit zu zweit verbringen.
Als meine Eltern Ende letzten Jahres den Wunsch äußerten, unsere Kinder für zwei Wochen mit in den Urlaub zu nehmen, war für uns klar: wenn das klappt, wir müssen die Zeit und Freiheit nutzen! Da Zuhause die kleineren und größeren Baustellen mahnend auf uns warten, war auch klar, dass wir raus müssen, um richtig entspannend zu können. Allerdings reise ich beruflich sehr viel und daher habe ich privat eher wenig Lust auf den Reisestress. Also fiel die Wahl auf ein Ziel in der Nähe, ein Wellness-Hotel in Bayrischzell – den Tannerhof. Gesagt, gebucht. Vier Tage Ausspannen über Ostern in den Bergen.

Besonders in den stressigen Phasen wirkte die Aussicht auf die Auszeit vom Familienleben wie ein Silberstreif am Horizont. Dem entsprechend hoch waren unsere Erwartungen an unsere Zuflucht in den Bergen, die Ansprüche doch eigentlich recht einfach.
Natürlich hegte hegte ich auch die Hoffnung, neben Entspannung und Zweisamkeit auch ein wenig Zeit zum Photographieren zu finden. Daher gesellte sich zu meinem Gepäck auch meine die „kleine“ Pentax LX, die „große“ Pentax 6×7, diverse Objektive für beide Formate und meine treues Reisestativ. Um mich etwas aus meiner Komfortzone zu bewegen, fasste ich den Entschluss, an statt von Schwarzweiß-Film während des Kurztrips nur Farbfilm – genauer nur Kodak Portra 400 – zu verwenden.
In Bayrischzell angekommen lief alles noch viel besser als erhofft. Das Hotel war ausgesprochen angenehm und bot mit Sauna, Schwimmbad und gutem Essen die perfekten Rahmenbedingungen für unser Entspannungsvorhaben. Ein Aspekt, der sehr stark zu meiner persönlichen Entspannung beitrug, war die Abwesenheit von Fernsehern und WIFI auf den Hotelzimmern. Ohne diese Ablenkungen und Zerstreuungen gelang es mir, dem Drang zu widerstehen, unvernünftig lang aufzubleiben und auf mehr als sechs Stunden Schlaf pro Nacht zu kommen.

Und weil ab dem zweiten Tag auch das Wetter mitspielte (erster Sonnenbrand des Jahres!), konnten wir die Zeit zwischen Anwendungen, Saunieren und Mahlzeiten für kleine, leichte Wanderungen nutzen, die wiederum einige Gelegenheiten zum Photographieren boten. Ich weiß nicht, ob es an der Entspannung, dem vielen Schlaf oder den Motiven lag, aber mein photographischer Output lag weit über meinem Durchschnitt. Zwei Rollfilme, zwanzig 6×7 Aufnahmen in zweieinhalb Tagen – mein persönlicher Rekord.
Zwar ist das süße Nichtstun eigentlich gar nicht meine Sache, doch dieses verlängerte Wochenende ohne Plan oder Verpflichtungen war genau das, was wir brauchten. Ein verdienter und notwendiger Reset, vom Alltag von dem wir hoffentlich noch lange zehren können. Im Prinzip stand schon bei der Abreise fest, dass wir bei nächster Gelegenheit wieder kommen werden.
Und für mich war es auch noch eine Gelegenheit den analogen Farbfilmen, die ich bis jetzt ziemlich vernachlässigt habe, mal wieder eine Chance zu geben. Ein paar Rollen Kodak Ektar 100 habe ich verschossen, aber bin mit dem Film nie richtig warm geworden. Irgendwie sind mir die Farben in vielen Situationen etwas zu grell, die Haut von weißen Mitteleuropäern hat oft einen Schweinchen-rosa Stich und die Empfindlichkeit von ISO 100 verlangt in vielen Situationen nach einem Stativ.
Der Portra bildet in gewisser Weise einen Gegensatz zum Ektar. Die gedeckteren Farben und die Tatsache, dass man die Film bei geschlossener Wolkendecke aus der Hand photographieren kann, machen mir den Film sympathisch. Ich kann mir vorstellen, in Zukunft öfters mal auf Kodak Portra 400 photographieren – schon alleine aus dem Grund, dass ich noch einige Rollen zusammen mit der Pentax 6×7 bekommen habe.

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Comments

  • Thomas 6. April 2016 Antworten

    Sehr schöner Blog-Beitrag – ich hoffe du findest bald wieder die Zeit, mehr zu fotografieren. Ich fotografiere zwar nicht (mehr) analog, aber wenn ich eine Simulation besonders mag, dann ist es die des Kodak Porta 400.

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