Fremdkörper im Niemandsland

Die unberührte Schneedecke ließ den Ort ruhig und friedlich wirken. Die Großstadt im Hintergrund und die Spuren der ehemaligen Nutzung verstärkten die Gewissheit allein zu sein, während sich die Zeugen des fortschreitenden Verfalls unter Schnee zu verbergen versuchten. Trotz der Schönheit des Ortes in der tief stehenden Morgensonne machte sich Beklemmung in mir breit. Nicht, dass es bedrohlich wirkte. Vielmehr hatte ich das Gefühl, etwas Ruhendes aus dem Gleichgewicht zu bringen. Meine Spuren in der zuvor unberührten Schneedecke verdeutlichten, dass meine Anwesenheit die Umgebung unwiderruflich veränderte.
Überall offenbarten sich Hinweise auf die Metamorphose des Ortes vom Bahngelände zu einer bizarren Kombination aus Naherholungsgebiet, illegaler Müllkippe und Treffpunkt von Jugendlichen und Obdachlosen. Alle Phasen hinterließen eigene Spuren, die sich teils überlagerten, teils zuordnen ließen und teils jeder der Nutzungen hätte entsprungen sein können. Mit mir als lebendigem Fremdkörper, der das statische Gefüge durcheinander bringt.

[Alle Bilder wurden mit einer Pentax 67II auf Kodak Portra 400 aufgenommen]

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