Meine Lieblingsfilme

Als ich anfing, analog zu Photographieren, verspürte ich das Gefühle, ein unbekanntes Feld unbegrenzter Möglichkeiten zu betreten. Schier unzählige Kombinationen an Kameras, Objektiven, Filmen und Entwicklern. Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass das Angebot an Schwarzweiß-Film heute größer ist den je. Zwar weiß ich nicht, ob es stimmt, zweifelsohne ist die Auswahl an Schwarzweiß-Film wirklich enorm. Eigentlich ne tolle Sache, jedoch hat eine große Auswahl für mich auch immer den Nebeneffekt, dass sie eine gewisse Verwirrung in mir auslöst. Bei den Schwarzweiß-Filmen paarte sich die Verwirrung mit Neugierde und Entdecker-Drang. Eine schwierige Ausgangssituation also, um mich für einen Film für den Einstieg zu entscheiden. Leider ist in dieser Frage das Internet – wie so oft – keine große Hilfe. Überall finden sich Argumente für und wider TriX, HP5+, FP4+, Tmax, Delta oder Acros. Noch größer ist die Auswahl und somit die Verwirrung, wenn es zu den Filmentwicklern kommt. Angespornt von meiner Neugier setzte sich bei mir die Idee fest, dass Ausprobieren der einzige Weg sei, Klarheit zu gewinnen. Als Wissenschaftler war mir eigentlich klar, dass die Begrenzung der Variablen der einzige Weg zu konsistenten Ergebnissen sein kann. Und trotzdem wählte ich – benebelt von Neugier und Entdeckerdrang – den genau gegensätzlichen Ansatz. Es kostete ein paar Liter Entwickler und etliche Rollen Film, bis ich den Entschluss fasste, meine Film- und Entwicklerauswahl auf ein Minimum zu reduzieren. Genau genommen beschränke ich mich nun auf drei Filme und zwei Entwickler. Meine Lieblingsfilme:

Agfa APX 100

Ehrlich gesagt, war das entscheidende Argument, warum ich den Agfa APX 100 ausprobierte, sein unschlagbarer Preis von 3.50 € und die angenehme Tatsache, dass es diesen Film in den meisten DM Drogerien gibt. Also keine umständliche Internetbestellung oder astronomischen Preise im lokalen Einzelhandel.
Beim Einstieg gab es jedoch ein Problem mit dem Agfa APX 100: Dieser Film hat nichts mit der Firma Agfa oder dem APX 100, der von Agfa bis zum Niedergang der Firma produziert wurde, zu tun. Lediglich wurde der Name „Agfa APX 100“ gekauft und ein neuer Film mit dieser Bezeichnung hergestellt. Und das führt zu einem Problem. Der Film selbst kommt ohne jegliche Informationen zur Entwicklung. Da sowohl die alte Agfa Emulsion als auch der neu aufgelegte Film die exakt gleiche Bezeichnung haben, kann man bei Informationen im Internet nie sicher sein, auf welche Variante sie sich beziehen. Also blieb nur Trial and Error.
Keine zuverlässige Anhaltspunkte für die Filmentwicklung zu haben, ist zwar besonders für einen Anfänger wie mich keine vielversprechende Ausgangssituation, aber mit dem APX 100 war ich überraschend erfolgreich. So erfolgreich, dass ich den Agfa APX 100 zu einem meiner drei Standardfilme gemacht habe.
Ich belichte den Agfa APX 100 bei ISO 80 und entwickle den Film in Rodinal. In dieser Kombination ist dieser Film zwar nicht extrem feinkörnig, aber zeichnet er sich doch durch wunderschöne Grautöne für Haut im Sonnenlicht aus. Das macht den Agfa APX 100 zu meinem go-to Film für 35 mm Aufnahmen von Personen bei gutem Wetter.

Meine Entwicklungsemfehlung für Agfa APX 100: Rodinal in Verdünnung 49+1, 10 min bei 18° C, alle 30 sec viermal invertieren.

Beispeilbilder Agfa APX 100

Ilford HP5+

Der Agfa APX 100 ist ein sehr schöner Film, aber mit ISO 80 nicht wirklich sehr vielseitig. Abseits von prallem Sonnenschein, kann der Einsatz schwierig sein. Ist es bewölkt, muss man oft die Blende sehr weit öffnen, um noch in den Bereich der Belichtungszeiten zu gelangen, die Freihand-Aufnahmen erlauben. In solchen Situationen verwende ich häufig den Ilford HP5+. Durch die höhere Empfindlichkeit von ISO 400 ist dieser Film wesentlich vielseitiger. Aber das ist nicht einmal das beste an diesem Film. Der Dynamikumfang des Ilford HP5+ scheint schier unendlich zu sein. Dem alten Photographen-Sprichwort entsprechend, bemühe ich mich immer, die Belichtung den Schatten anzupassen. Gewöhnt an den arg begrenzten Dynamikumfang von digitalen Sensoren, bin ich in kontrastreichen Situationen oft überzeugt, dass ich es diesmal übertrieben habe und nun die Zeichnung in Highlights verloren habe. Und jedesmal werde ich beim Digitalisieren der Negative eines Besseren belehrt.
Wie zu erwarten, ist bei einem empfindlicheren Film das Korn auch etwas gröber. Doch das ist etwas, das mich nie wirklich gestört hat. Im Gegensatz zu digitalem Rauschen empfinde ich Filmkorn allerdings nicht als störend und in manchen Fällen kann es den Charakter eines Bildes unterstreichen. Praxisrelevant ist das Filmkorn vom Ilford HP5+ nur bei Kleinbildaufnahmen. Durch die geringere Vergrößerung im Mittelformat fällt das gröbere Korn bei den Drucken, die ich bis jetzt gemacht habe, nicht weiter auf. Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, ob ich in der Lage wäre nur an Hand eines Ausdrucks einen 100er von einem 400er Film zu unterscheiden.
Der Klassiker schlechthin unter den 400er Schwarzweißfilmen ist eigentlich der Kodak Tri-X. Diesen Film habe ich auch ein paar Mal ausprobiert und war mit den Bildern sehr zufrieden. In den meisten Aspekten ist Tri-X dem HP5+ zum Verwechseln ähnlich. Der Grund, warum ich mich letzten Endes für Ilford HP5+ entschieden habe, liegt nicht in den Bildeigenschaften der Filme, sondern im Handling. Das Material des Filmträgers des Tri-X scheint weicher und flexibler zu sein als das des HP5+. Zumindest in meinen Versuchen wellte sich der Tri-X nach dem Trocknen immer recht stark, musste dann langwierig geglättet werden (mehrere Tage unter einem schweren Bücherstapel) und trotzdem war die Planlage nach beim Digitalisieren eine große Herausforderung. Anders ist meine Erfahrung mit dem Ilford HP5+: dieser Film wellt sich bei nicht beim Trocknen und bleibt beim Digitalisieren sehr plan.
Normalerweise belichte ich den Ilford HP5+ bei ISO 320 und entwickle in Kodak HC-110, Verdünnung B (31+1). Bei Bedarf lässt sich der Kontrast durch Push- oder Pull-Entwicklungen sehr gut steuern. Bei Nebelwetter oder dichter Bewölkung pushe ich den Film um einen Stop auf ISO 800, um den Kontrast etwas zu erhöhen.

Meine Entwicklungsemfehlung für Ilford HP5+ bei ISO 320:
Kodak HC-110 Verdünnung B (31+1), 5 min bei 20° C, alle 30 sec viermal invertieren

Meine Entwicklungsemfehlung für Ilford HP5+ bei ISO 800: Kodak HC-110 Verdünnung B (31+1), 7:30 min bei 20° C, alle 30 sec viermal invertieren für die ersten 3 min, dann alle 60 sec viermal invertieren.

Beispielbilder Ilford HP5+

Ilford FP4+

Da es den Agfa APX 100 nicht als Rollfilm gibt, verwende ich im Mittelformat einen anderen Film – Ilford FP4+. Es mag nach einer Notlösung klingen, aber das ist es für mich überhaupt nicht. Der Ilford FP4+ ist ein ausgezeichneter Film. Wie der HP5+ zeichnet sich dieser Film durch einen immensen Dynamikumfang aus, doch im Gegensatz zum HP5+ ist beim FP4+ das Korn so fein, dass es auch beim Pixelpeeping am Monitor nicht auffällt. Ich habe es zwar noch nicht gemacht, aber ich bin überzeugt, dass man riesen Abzüge vom FP4+ machen kann, ohne dass das Filmkorn auffällt. Insgesamt machen die FP4+-Aufnahmen einen sehr sauberen Eindruck: kaum sichtbares Filmkorn, sehr scharf und hohes Auflösungsvermögen. Daher verwende ich diesen Film gerne für Landschaftsaufnahmen. Da ich den Film auf ISO 80 belichte und wegen der langen Brennweiten im Mittelformat oft recht stark abblenden muss, eignet sich der Film bei meiner Art der Photographie nur bei strahlendem Sonnenschein für Freihand-Aufnahmen. Meistens verwende ich den FP4+ in Verbindung mit einem Stativ.

Meine Entwicklungsemfehlung für Ilford FP4+ bei ISO 80:
Kodak HC-110 Verdünnung B (31+1), 9 min bei 20° C, in den ersten 15 sec konstant invertiert, dann alle 60 sec viermal invertieren

Beispielbilder Ilford FP4+

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Comments

  • Ivan 17. Mai 2016 Antworten

    Sehr interessant! Wo genau liegt der Vorteil einen s/w Film leicht überzubelichten?

    • David 17. Mai 2016 Antworten

      Hallo Ivan,
      dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen ist die Nennempfindlichkeit (Box Speed) eher ein Richtwert. Abhängig vom verwendeten Entwickler kann die wirkliche Empfindlichkeit des Films von der Nennempfindlichkeit – zu meist nach unten – abweichen.
      Zum anderen ist es recht schwer einen Film so stark überzubelichten, dass die Zeichnung in den Highlights verloren geht. Im Gegensatz dazu verliefen die Schatten bei Unterbelichtung sofort und unwiderruflich die Zeichnung. In kontrastreichen Situationen empflieht es sich daher, die Belichtung den Schatten anzupassen und sich keine Sorgen um die Highlights zu machen.
      Daher das alte Film-Fotografen-Sprichwort: Auf die Schatten belichten, auf die Highlights entwickeln.
      Viele Grüße,
      David

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