Review: Yashica Electro 35 GX

Yashica Electro 35 GX

Yashica Electro 35 GX

Mittlerweile habe ich etwas Zeit mit der Yashica Electro 35 GX verbracht, den ersten Film vollgemacht und entwickelt. Somit ist es an der Zeit den Review fortzusetzen (meine ersten Eindrücke zu dieser Kamera gibt es hier).

Schon bevor man überhaupt das erste Bild mit dieser Kamera gemacht hat, erfährt man, was es bedeutet, ein altes Kameramodell zu verwenden: Die Batterie, die man für den Betrieb dieser Kamera benötigt, werden seit über 10 Jahren aus Umweltschutzgründen nicht mehr hergestellt. Eigentlich ist der Einsatz von zwei Quecksilber-haltige PX 640 mit je 1.35 V vorgesehen, im Netz habe ich aber Berichte gefunden, dass man trotz der höheren Spannung von 1.55 V auch zwei SR44 Batterien verwenden kann (Kostenpunkt ca. 3 €). Die wesentlich kleinere SR44 lässt sich recht einfach mit Alufolie im Batteriefach zu fixieren. Ob der Einbau geklappt hat, kann man mit der ‚Battery Check‘ Taste auf der Rückseite der Kamera überprüfen. Fließt Strom, dann leuchtet das Bildzählwerk auf und es kann losgehen.

Für einen SLR Nutzer wie mich bedeutet die Verwendung eines Messsuchers eine gewisse Umstellung. Beim ersten Blick durch den Sucher fällt gleich auf, dass man mehr sieht, als nachher auf dem Film landet. Der eigentliche Bildausschnitt wird durch einen Leuchtrahmen dargestellt. Beim Fokussieren wird durch Verschiebung des Leuchtrahmens der Parallaxenfehler ausgeglichen. Als SLR Nutzer bin ich gewohnt, dass alles was ich im Sucher sehe auch auf dem Bild landet. Gerade in Situationen, wo ich schnell abdrücken muss, erfordert es etwas Konzentration, um nicht abgeschnittene Bilder aufzunehmen. Wenn man sich aber erst einmal daran gewöhnt hat, bietet es durchaus Vorteile in manchen Situation mehr als den eigentlichen Bildausschnitt zu sehen.

Die Yashica Electro 35 GX verfügt über keinen Autofokus, scharf gestellt wird also manuell. Als Scharfstellhilfe dient ein Mischbildindikator in der Mitte des Suchers, der an den Fokusring des Objektiv gekoppelt ist. In der Mitte des Suchers befinden sich zwei rautenförmige Halbbilder, die sich überlagern, wenn das Objektiv auf die richtige Distanz eingestellt ist. Wer schonmal mit einer SLR mit Schnittbildindikator fotografiert hat, wird hier keine großen Probleme haben. Mir persönlich fällt das Fokussieren mit dem Mischbildindikator etwas leichter beziehungsweise ich bin mir schneller sicher, den Fokus getroffen zu haben.

Umständlich bis nervig ist, dass die Belichtungszeit nicht angezeigt wird. Die Kamera zeigt nur mit zwei farbigen Pfeilen an, ob Überlichtung  (roter Pfeil) oder eine Belichtungszeit > 1/30 (gelber Pfeil) droht. Gerade bei bewegten Objekten kann es aber schon einen großen Unterschied machen, ob man mit 1/30 oder 1/500 belichtet. Hilfreich ist es hier, sich mit der „Sunny 16“ Regel (bei Sonnenschein entspricht die Belichtungszeit bei f/16 dem Kehrwert des ASA) auszukennen. Wenn die Lichtverhältnisse etwas komplizierter sind, kann man sich so Abhilfe schaffen: Die kürzeste Belichtungszeit der Yashica Electro 35 GX ist ein 1/500. Mit dem Wissen öffnet man die Blende komplett (f/1.7), blendend dann soweit ab, bis der rote Pfeil aufhört zu leuchtet und man ist bei der kürzest möglichen Belichtungszeit. Aber wirklich komfortabel ist das leider nicht…

Im Gegensatz zu ihren Vorgängern befindet sich der Belichtungsmesser bei der Yashica Electro 35 GX nicht auf Höhe des Suchers, sondern direkt am Objektiv. Das hat zwei entscheidende Vorteile: Man merkt an der Belichtungszeit, ob der Objektivdeckel noch drauf ist und bei der Verwendung fließt der Filterfaktor automatisch in die Belichtungszeit mit ein. Interessant ist auch, wie der Belichtungsmesser funktioniert. In Abhängigkeit vom eingestellter Blende und ASA regelt eine Lochmaske, wie viel Licht auf die CdS-Zelle fällt.
Als ersten Film habe in der Yashica Electro 35 GX einen Ilford HP5+ bei EI 320 verwendet, wie ich es sonst auch mache. Die resultierenden Negative waren dichter als gewöhnlich. Der Effekt ist nicht so stark, dass die Highlights keine Zeichnung haben, aber definitiv merklich. Um festzustellen, ob die Kamera überbelichtet oder ich beim Entwickeln des Films einen Fehler gemacht habe, werde ich wohl einen weiteren Film verschießen und entwickeln müssen. Eine weitere, mögliche Fehlerquelle liegt in den Batterien. Der Vorbesitzer hatte zwei Batterien in der Kamera gelassen, die laut des ‚Battery Check Light‘ auch noch genug Saft haben sollten. Allerdings handelte es sich um Alkaline Batterien, deren Leistung sehr schnell abnimmt. Daher besteht die Möglichkeit, dass die Batterien noch genug Strom für das Test-Licht liefern, der Belichtungsmesser aber wegen der gesunkenen Leistung verfälschte Werte liefert.
Für den nächsten Film habe ich die Batterien getauscht. Jetzt kann die Fehlersuche losgehen…

Bei dem Objektiv der Yashica Electro 35 GX handelt es sich um ein 40 mm Objektiv mit einer Lichtstärke von 1:1.7. Die Brennweite von 40 mm liegt mir persönlich sehr gut. An meiner APS-C DSLR verwende ich als Normalbrennweite ein 28 mm Objektiv, was den 40 mm am Kleinbild sehr nahe kommt. An der Abbildungsleistung des Objektivs gibt es nichts auszusetzen: etwas abgeblendet liefert es gestochen scharfe Bilder. Bei Offenblende ist diese Kamera auch durchaus einsetzbar. Zwar sind die Bilder ein bisschen weich, aber dafür sehr kontrastreich. Vignettierung kann ich in meinen Bildern nicht Erkennen.
In anderen Reviews habe ich gelesen, dass das Objektiv der Yashica Electro 35 GX anfällig für Lens Flare wäre. Dies kann ich nicht bestätigen: Obwohl ich keine Streulichtblende verwendet habe, ist Lens Flare in keinem der Bilder ein Problem.
Einziger, störender Aspekt ist die relativ lange Nahstellgrenze von 80 cm. Von meinen SLR bin ich eine Nahstellgrenze im Bereich des Zehnfachen der Brennweite gewohnt. Da liegt die GX deutlich drüber und ist somit für Nah- und Detailaufnahmen nur bedingt geeignet.

An der Unterseite des Objektivs befindet sich der Schieber für die ASA Einstellung. Leider ist nur die Verwendung von Filmen bis 800 ASA möglich. Da der Schieber gleichzeitig auch zur Belichtungskorrektur dient, ist bei 800 ASA kleine Verlängerung der Belichtung möglich beziehungsweise bei 400 ASA nur um eine Blende. Der recht schwergängige Schieber muss mit dem Fingernagel runtergedrückt werden, damit ein Verstellen möglich ist. Es werkt etwas den Eindruck als wäre die Belichtungskorrektur kein Feature, dem man bei der Entwicklung der Kamera eine besondere Bedeutung zugeteilt hätte.

Ein Teil des Reizes einer Messsucherkamera und für einen SLR Nutzer sehr ungewohnt ist mit Sicherheit,  dass das Auslösegeräusch durch den Zentralverschluss und den fehlenden Spiegelschlag sehr leise ist. Bei den ersten Aufnahmen hat mich das so verunsichert, dass ich mir gar nicht sicher war, ob die Kamera wirklich ausgelöst hat. Gerade in Situationen, in denen es etwas leiser zu geht und man nicht stören möchte, oder nicht alle Umstehenden darauf aufmerksam machen, dass man gerade photographiert, ist dies ein Vorteil. Leider ist das Spannen der Yashica Electro 35 GX lauter als das Auslösen. Bei allen Electro 35 Modellen ein recht lautes „Klack“ beim Filmtransport – und das ist sehr wichtig. Ist das Geräusch nicht mehr zu hören, ist ein Schaumstoff-Pad („Pad of Death“) im Inneren der Kamera zerbröselt und die Kamera defekt. Im Netz gibt es Anleitungen für die Reparatur, aber ein bisschen Freude an Bastelei sollte man schon haben. Laut einigen Quellen im Netz sollen aber eher die Vorgängermodelle der Yashica Electro 35 GX von diesem Problem betroffen sein. Meine Kamera ist zum Glück von diesem Problem nicht betroffen, daher kann ich auch nicht mit Reparatur-Erfahrungen aufwarten.

Größenvergleich Pentax ME und Yashica Electro 35 GX

Größenvergleich Pentax ME und Yashica Electro 35 GX

Bevor ich mir die Yashica Electro 35 GX gekauft habe, habe ich viele der verfügbaren Erfahrungsberichte und Reviews über diese Kamera gelesen. Häufig wird als Argument für die GX die kompakten Ausmaße ins Feld geführt. Im Vergleich zu einer modernen DSLR mag das ja stimmen, aber vergleicht man die Kamera mit einer SLR aus der gleichen Ära wie in diesem Beispiel die Pentax ME, sieht man, dass die GX nicht wirklich eine kompakte Kamera ist. Und dabei ist noch zu berücksichtigen, dass es sich bei der Yashica Electro 35 GX um die kompakte Version dieser Reihe handelt – die Modelle G/GS/GT/GSN/GTN sind noch einmal größer. Ich denke, wer explizit auf der Suche nach einer kompakten Kamera ist, sollte mit einer Kamera wie der Pentax ME besser bedient sein. Neben der etwas kleineren Größe ist diese Kamera oft auch günstiger zu haben und bietet durch die Möglichkeiten des K Bajonetts auch mehr Flexibilität.

Im Bezug auf die Yashica Electro 35 GX habe ich öfters gelesen, dass es sich um eine Rarität handele. Sicher ist, dass auf Grund des kürzeren Produktionszeitraum die Zahl der hergestellten Kameras deutlich hinter dem Schwestermodell GSN/GTN liegt, aber das alleine qualifiziert noch nicht für eine Rarität. Vielmehr entspricht dies dem Wunschdenken einiger Besitzer und dient Verkäufern als vermeintliches Argument, um unverschämte Preise zu fordern. Von meinem Entschluss mir diese Kamera zu kaufen bis ich ein annehmbares Angebot gefunden habe, hat es lediglich eine Woche gedauert. Gezahlt habe ich 70 € – was meines Erachtens in Ordnung geht.

Fazit

Die Yashica Electro 35 GX hinterlässt bei mir irgendwie einen gemischten Eindruck. Zum einen gefällt mir das Messsucher-Prinzip sehr gut und es macht Spaß mit dieser Kamera zu photographieren. Auch die Abbildungsleistung des 40 mm Objektivs ist äußerst zufrieden stellend. Was jedoch wirklich stört bei dieser Kamera, ist die Tatsache, dass die Belichtungszeit nicht angezeigt werden. Somit ist es nicht ohne einen Film zu verschießen möglich, zu überprüfen, ob der Belichtungsmesser vernünftige Werte liefert. Weiterhin stellt dies in Situationen, in denen die Belichtungszeit entscheidenden Einfluss auf die Bildgestaltung hat, ein Hindernis da.
Eine Spiegelreflex-Kamera aus der gleichen Ära wie zum Beispiel die Pentax ME ist kleiner, vielseitiger, zuverlässiger und oftmals auch günstiger zu haben. Um mal in die Messsucher-Welt zu schnuppern, eignet sich diese Electro 35 GX gut, wenn man ein funktionstüchtiges Exemplar günstig erwerben kann. Dem Hype um die Electro 35 Modelle kann ich mich nicht anschließen – die Kamera ist ok, aber sicher nicht die horrenden Preise wert, die mancher Ebay-Händler fordert.

Vielleicht wird mein Urteil über die Yashica Electro 35 GX etwas wohlwollender ausfallen, wenn ich die Ursache für die leichte Überbelichtung ausfindig gemacht habe.

Beispielbilder

Aufgenommen auf Ilford HP5+ entwickelt in D-76 1+1 (11 min).

 

 

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Comments

  • Andreas 28. Mai 2013 Antworten

    Heyho.

    Erstmal Glückwunsch zur Neuanschaffung. Im Großen und Ganzen Zustimmung. Für mich war bei der Anschaffung die Zeitautomatik wichtig. Und das ist nach langer Suche im Netz fast schon ein Alleinstellungsmerkmal der Yashicas. Alle Mitbewerber aus dieser Zeit lieferten, wenn Automatik, dann idR Blendenautomatik (viele der Mitstreiter verließen sich damals auf ein und den selben kombinierten Blendenverschluss. Somit war nur Blendenautomatik möglich). Deshalb vermisse ich die fehlende Zeitangabe überhaupt nicht. Ich mag es offenblendig zu fotografieren und den Rest der Kamera zu überlassen. Mit diesen Randbedingungen blieb eigentlich nur die GX. Bezahlbar, Zeitautomatik, schnelle und scharfe Linse. Der angefügte Link zeigt einen Testshot auf Fuji’s Velvia 50. Gerade Dia-Film vergibt Fehlbelichtungen eher weniger. Und das hat dieses kleine Luder verdammt gut erledigt, wie ich finde.

    Ich habe allerdings zwei dieser Hörgerätebatterien benutzt, welche 1,4V liefern. Vielleicht ist das der Grund für die leichte Überbelichtung ?

    Hinsichtlich des Klack-Geräusches meine ich gelesen zu haben, dass wirklich nur die älteren GSN-Gehäuse (einschließlich Lynx und Minister) von diesem Problem betroffen scheinen.

    Also willkommen im Club und weiterhin viel Spaß mit der GX 🙂 Ich werde meine sicherlich nicht so schnell wieder her geben.

    • Andreas 28. Mai 2013 Antworten

      upps 🙂

      hier noch der link zum Testshot:
      http://www.flickr.com/photos/81424944@N07/8865210837/

    • dwitte 28. Mai 2013 Antworten

      Vielen Dank für deinen Kommentar, Andreas! Dein Velvia-Bild gefällt mir sehr gut. Der Film hat wirklich tolle Farben – den muss ich unbedingt auch mal ausprobieren.
      Bei der Überbelichtung habe ich die Batterie im Verdacht: Die Kamera kam mit zwei Batterien, allerdings dem Alkaline-Ersatz für die PX 640, die ich dann auch für den ersten Film verwendet habe. Ich vermute, dass die noch genug „Saft“ für die Batterieprüfleuchte hatten, aber nicht mehr für eine korrekte Belichtungsmessung. Jetzt habe ich die SR44 einsetzt und die folgenden Filme sind besser rausgekommen.
      Viele Grüße,
      David

  • Fern 23. Juni 2017 Antworten

    interessanter Bericht über die Kamera, ich habe eine gt , dann das erste modell der GS und eine GX. es macht Spass mit den Kameras zu fotografieren, ich stimme dir zu, der Hype ist zu gross bei den Preisen.
    ich werde die GX nehmen um Infrarotfilm auszuprobieren, (von Rollei , am laufender meter) da ich dann das Bild noch sehe im gegensatz zu meinen Spiegelreflex UND die Belichtungsmessung durch die über dem Objektiv sitzende Zelle einfacher ist als mit der GT .

  • Fern 23. Juni 2017 Antworten

    ach ja, ich will noch deine Fotos loben, sie gefallen mir sehr gut, von den rauwerten und der Komposition her. ich wohne in einer làndlichen Umgebung, da fallen meine Motive ganz anders aus

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