Date am Isar-Ufer

Date am Isar-Ufer

Ein Teil des Reizes, den die analoge Photographie auf mich hat, rührt aus der Ungewissheit, ob die Aufnahme etwas geworden ist. Der kontrollierende Blick auf das Display ist nicht möglich und so bleibt nur auf die Kamera und die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Erst die Entwicklung bringt hier Erleichterung. Das Maximum der Spannung ist erreicht, wenn der Film nach Entwickeln, Fixieren und Wässern aus dem Entwicklungstank genommen und zum Trocknen aufgehängt wird. In diesem Moment erst kann ein prüfender Blick auch das eigene Werk geworfen werden. Da ich versuche, nicht zu verschwenderisch mit dem Film umzugehen und nur in vielversprechenden Situationen abzudrücken, kann es schon mal ein paar Monate dauern, bis 12, 24 oder 36 Bilder aufgenommen sind und der Film dann entwickelt und digitalisiert ist.
Dieses Schicksal ereilte auch das obige Bild. Aufgenommen habe ich es schon auf einem meiner ersten Spaziergänge an der Isar in München im August. Schon im Moment der Aufnahme hatte ich das Gefühl, dass das Bild etwas geworden sein könnte – aber eben keine Gewissheit. Da die Aufnahme am Anfang des Films war und ich durch meinen neuen Job nur wenig zum Photographieren gekommen bin, hat es eine ganze Weile gedauert bis der Film endlich voll. Und nach dem Digitalisieren dann endlich die Gewissheit: das Bild ist so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe. Ein tolles Gefühl!
Dieses Bild zeigt auch einen weiteren Reiz der analogen Photographie: Das Imperfekte wirkt nicht wie technisches Versagen. Zwar wurde das Bild mit einem billigen 50 mm Objektiv bei Offenblende aufgenommen, was zu einer leichten Unschärfe und einer starken Vignette führt, und das Korn ist deutlich sichtbar, aber das unterstreicht in meinen Augen eher den Charakter der Photographie als das es wie ein Mängel wirkt.

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