Mit Ada im Laimer Speisezimmer

Immer wieder komme ich zu meinen Vorsätzen für das Jahr 2015 zurück. Einer lautet, mich mehr auf Bilder zu konzentrieren, die mir persönlich etwas bedeuten. Wenn ich meine 500px-Seite anschaue, sind da einige Bilder, die auf dieser Plattform recht erfolgreich waren. Sie sind zwar nicht bis auf die erste Seite, aber in die oberen Ränge. Trotzdem – es sind nicht meine persönlichen Lieblingsbilder. Das sind eher die Bilder, die mich berühren. Eine Geschichte erzählen. Etwas von mir wiedergeben. Die Bilder, die ich gerahmt in unsere Wohnung hänge.

Aufgenommen auf Agfa APX100, entwickelt in XTOL 1+1

Ada im Laimer Speisezimmer I

Ich gebe zu: das ist ein sehr subjektiver Maßstab. Und in dem Moment, in dem ich mich auf meine Gefühle verlasse, ich laufe Gefahr, dass ich der Einzige bin, dem diese Bilder gefallen. Ein Thema, das für mich eine große, emotionale Bedeutung hat, sind natürlich meine Kinder. Besonders bei Kinderbildern besteht immer das Risiko, dass die Bilder durch meinen emotionalen Bezug für mich funktionieren, nicht notwendiger Weise aber für Personen ohne diesen Kontext.
Ein Photograph, den ich sehr bewundere, ist Alain Laboile, dessen fotografisches Schaffen sich hauptsächlich um Dokumentation des Lebens seiner Großfamilie in Südfrankreich dreht. Der Aspekt, der mich an Laboiles Bildern am meisten fasziniert, ist, dass seine Photos sehr persönlich sind. Schon das Thema ist allein ist sehr persönlich. Aber bei Laboiles Bildern hat man fast das Gefühl, durch die Photos seine Familienmitglieder kennen zu lernen und einen Einblick in den familiären Alltag zu erlangen. Seine Bilder sind sehr intim und man merkt den Bildern einfach an, dass es um etwas geht, das Laboile sehr am Herzen liegt.

Aufgenommen auf Agfa APX100, entwickelt in XTOL 1+1

Ada im Laimer Speisezimmer II

Aufgenommen auf Agfa APX100, entwickelt in XTOL 1+1

Ada im Laimer Speisezimmer III

Schon bei weit weniger intimen oder persönlicher Photos als Laboiles ist die Angst, dass ich mich da mit den subjektiven Maßstäben verrenne, nur ein kleiner Faktor, der mich zögern lässt, sie hier zu veröffentlichen. Ich habe immer das Gefühl, dass ich etwas persönliches von mir Preis gebe. Mich exponiere und angreifbar mache. Wahrscheinlich ist es so, dass es auf Außenstehende gar nicht so wirkt, als würde ich mit den Bildern etwas persönliches Preis geben. Aber für mich ist es so.
Diese Serie von meiner Tochter Ada ist vor einiger Zeit beim Mittagessen im Laimer Speisezimmer entstanden. Mein kleiner Sohn Paul war schon auf dem Weg ins Restaurant im Fahrradanhänger eingeschlafen und so hatten Ada und ich eine der seltenen Gelegenheiten, Zeit nur zu zweit zu verbringen. Diese Situationen genießt meine Tochter immer. Sie genießt es die ungeteilte Aufmerksamkeit und sie liebt es zu zeigen, wie erwachsen sie schon ist. Als das Essen dann etwas auf sich warten ließ, wurde Ada doch etwas langweilig. Diesen Moment habe ich für meine kleine Serie von Ada im harten Sonnenlicht, das durch die großen Fenster des Lokals viel, genutzt.
Für mich ist die Serie mit der Erinnerung an das Mittagessen mit meiner Tochter verbunden. Eine persönliche Serie, für die ich gerade einen Platz in unserer Wohnung suche.

Aufgenommen auf Agfa APX100, entwickelt in XTOL 1+1

Ada im Laimer Speisezimmer IV

Es ist nicht so, dass es mir egal wäre, ob anderen meine Photos gefallen. Aber ich denke, dass ich mich davon etwas frei machen muss, wenn ich einen persönlicheren Ansatz in meinem photographischen Schaffen wählen möchte.

[Agfa APX100(neue Emulsion) EI80, entwickelt in X-TOL 1+1, 11 min, erste 10 sec invertiert, dann alle 30 sec viermal invertiert]

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