f/286 – Bau der Lochkamera

Pinhole Boxkamera

Seit einiger Zeit bin ich unzufrieden mit meinem photographischen Schaffen. Sicher, ab und an ist mal ein Bild dabei, dass mir gefällt. Insgesamt gesehen fehlt mir aber so etwas wie eine roter Faden, ein wiederkehrendes Thema in meinen Bilder. Daher liegt für mich die Überlegung nahe, mein photographisches Schaffen mehr in die Richtung von Serien und Projekten zu lenken.
Als ersten Ansatz für das Projekt-basierte Arbeiten und dabei gleichzeitig meine Lust am Experimentieren zu befriedigen, kam mir die Idee, dass Photographie mit einer Lochkamera mal auszuprobieren. Quasi „back to the roots“: kein Objektiv, kein Fokussieren, fixe Blende und mäßig scharfe Bilder.
Aus praktischen Gründen habe ich mich entschieden, statt eine Kamera von Grund auf zu bauen, eine Rollfilmkamera zur Lochkamera umzubauen. Dadurch habe ich das Problem umgangen, einen Filmtransport konstruieren zu müssen. Um die Kosten für das Projekt so gering wie möglich zu halten, habe ich die günstigste Rollfilmkamera gekauft, die ich finden konnte: eine Agfa Synchro Box. Als weiteren Vorteil neben dem Filmtransport bietet die Boxkamera zwei Stativgewinde, einen vorschiebbaren Gelbfilter und die Möglichkeit, einen Drahtauslöser anzuschließen.
Als Lochblende kann im Prinzip alles dienen, solange es sehr dünn ist und ein kleines Loch hat. Die einfachste Variante ist, mit einer Nadel ein Loch in Alufolie zu pieksen. Da jedoch Durchmesser und Geometrie die Bildqualität stark beeinflussen, habe ich mich für eine Präzisionslochblende entschieden. Den Anbieter kann ich übrigens sehr empfehlen!
Welcher Lochdurchmesser am besten geeignet ist, hängt von der Bildweite, dem Abstand zwischen Blende und Filmebene, ab und lässt sich mit diesem Online-Rechner bestimmen. Im Fall der Agfa Synchro Box beträgt die Bildweite 100 mm, was einen optimalen Lochdurchmesser vom 0,35 mm ergibt. Rein rechnerisch ergäbe damit eine Blendenzahl von f/286. Daher auch der Name meines Projekts.

Der Umbau

Der Filmhalter: das Innenleben der Agfa Synchro Box

Der Filmhalter: das Innenleben der Agfa Syncho Box mit dem Objektiv

Die Agfa Synchro besteht aus zwei Teilen: dem Gehäuse mit dem Verschlussmechanismus und dem Filmhalter, der das Objektiv beinhaltet. Für den Umbau zu Lochkamera müssen am Gehäuse keine Änderungen vorgenommen werden, sondern nur aus Objektiv aus dem Filmhalter entfernt werden und durch die Lochblende ersetzt werden. Der Begriff Objektiv ist in diesem Fall etwas übertrieben. Genau genommen handelt es sich nur um ein einziges Linsenelement.

Schritt 1: Entfernen des Linsenelements. Die Linse wird nur durch den markierten Ring in Position gehalten. Mit einem Schraubenzieher und etwas sanfter Gewalt lässt sich der Ring entfernen.

Schritt 1: Entfernen des Linsenelements. Die Linse wird nur durch den markierten Ring in Position gehalten. Mit einem Schraubenzieher und etwas sanfter Gewalt lässt sich der Ring entfernen.

Schritt 2: Das Linsenelement habe ich durch ein Stück schwarze Pappe ersetzt, auf dem ich im nächsten Schritt die Lochblende befestigt habe.

Schritt 2: Das Linsenelement habe ich durch ein Stück schwarze Pappe mit einem Loch in der Mitte ersetzt, auf dem ich im nächsten Schritt die Lochblende befestigt habe.

Schritt 3: Mit etwas schwarzem Isolierband habe ich die Lochblende mittig auf Pappe befestigt.

Schritt 3: Mit etwas schwarzem Isolierband habe ich die Lochblende mittig auf Pappe befestigt.

Und schon ist die Lochkamera fertig!

Wahl des Films

Wenn die Belichtungszeiten in die Sekunden gehen – was bei f/286 ja durchaus zu erwarten ist – muss man den Schwarzschild-Effekt berücksichtigen. Dieser Effekt führt dazu, dass bei langen Belichtungszeiten (> 1/10) der Zusammenhang zwischen Lichtwert und Belichtungszeit nicht mehr linear ist. Halbiert man den Lichtwert, muss man für eine korrekte Belichtung also die Belichtungszeit mehr als verdoppeln. Um die korrekte Belichtungszeit dennoch bestimmen zu können, gibt es Diagramme mit Korrekturfaktoren. Doch die Sache ist noch komplizierter: der Korrekturfaktor hängt von der Belichtungszeit ab und ist für jeden Film unterschiedlich.
Abhilfe schafft hier der Fuji Acros Neopan 100, der auch bei Belichtungszeiten von 1000 Sekunden nur einen schwachen Schwarzschild-Effekt zeigt. Da ich mir die Rechnerei mit den Korrekturfaktoren ersparen wollte, habe ich diesen Film für die ersten Lochkamera-Aufnahmen gewählt.

Bestimmung der Belichtungszeit

Im ersten Abschnitt habe ich die Blendenzahl meiner Lochkamera schon mit f/286 angegeben. Schön und gut, aber wie kann ich mit diesem Wert nun die Belichtungszeit bestimmen? Selbst mein Gossen VarioSix F erlaubt als kleinste Blende nur einen Wert von f/90. Eine direkte Bestimmung der Belichtungszeit ist daher nicht möglich. Hier ist also Stelle erreicht, an der man sich nicht mehr ums Kopfrechnen drücken kann. Das Problem fängt schon damit an, dass die Blendenreihen, die am so im Netz findet, maximal bis f/90 gehen. Der erste Schritt ist also, eine erweiterte Blendenreihe zu berechnen (der Einfachheit halber in ganzen Blenden):
f/8 – f/11 – f/16 – f/22 – f/32 – f/45 – f/64 – f/90 – f/128 – f/180 – f/256 – f/360
Um die Berechnung etwas zu vereinfachen, nehme ich zur Bestimmung der Belichtungszeit die nächst liegende ganze Blende an – für meine Lochkamera also f/256. Zwischen f/8 und f/256 liegen exakt 10 Stops und somit verlängert sich die Belichtungszeit um den Faktor 1024.
In der Praxis sieht das so aus: ich bestimme mit meiner DSLR oder meinem Handbelichtungsmesser die Belichtungszeit für f/8 und multipliziere den Wert mit 1000. Zwar beinhaltet diese Methode einige Näherungen, aber für SW-Film reicht das. In Fällen, in denen es auf gute Zeichnung in den Schatten ankommt, verlängere ich die Belichtungszeit um 50 %. Mit der Strategie bin ich bis jetzt immer gut gefahren.

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