Dresden

Ich bin kein Morgen-Menschen und Aufstehen – egal, zu welcher Zeit – fällt mir schwer. Hin und wieder fasse ich jedoch Abends den Entschluss, am nächsten Morgen früh aufzustehen und beim ersten Licht Photographieren zu gehen. Doch Aufwachen und Aufstehen sind zwei unterschiedliche Dinge und so geschiet es fast genau so oft, dass ich den Wecker ausschalte und mich umdrehe. Aber manchmal gelingt es mir, mich aus dem Bett zu zwingen, mich im Halbschlaf anzuziehen und mich dann mit der Kamera auf den Weg zu machen. Un so gelang es mir auch in Dresden.
Anfang Februar ging es auf eine dreitägige Dienstreise nach Dresden. Ambitioniert und in Hoffnung, Gelegenheit zum Photographieren finden, packte ich die Pentax 67II und mein Stativ ein. Der Plan war, das Gepäck kurz im Hotel abzuladen und in die Stadt zu gehen. Doch wie so oft, kollidierten Erwartungen mit Realität. Geschafft von der langen Anreise war die Versuchung groß, den Abend mit Room-Service vor dem Fernseher im Hotelzimmer zu verbringen. Aber jetzt hatte ich meine fünf Kilo Photo-Ausrüstung schon quer durch die Republik geschleppt, da konnte ich mir einfach nicht erlauben, quasi auf der Ziellinie den Schwanz einzuziehen. Also begab ich mich – mittlerweile nach Einbruch der Dunkelheit – auf einen Streifzug durch Dresden.
Oft reicht es schon, wenn ich meinen Arsch hochkriege und loslege. Doch an diesem Abend war das offenbar nicht genug. Müde und hungrig schritt ich durch die Straßen und Gassen von Dresden. Keine Motive stachen mir ins Auge und keine ansprechenden Kompositionen wollten sich ergeben. Eher unmotiviert (schließlich wollte ich die Ausrüstung ja nicht umsonst mitgeschleppt haben) schoß ich zwei oder drei Bilder und beschloß, die Unternehmung abzubrechen. Niedergeschlagen und enttäuscht machte ich mich auf den Rückweg ins Hotel.
Meine Motivation kehrte erst zurück, als ich am nächsten Morgen mit der Straßenbahn auf dem Weg zu einem Kunden die Elbe überquerte. Bei blauem Himmel lag mir die Dresdner Altstadt – getaucht in gleißendes Morgenlicht – zu Füßen. Mit diesem Anblick stand ohne jeglichen Zweifel fest, was ich zu tun hatte: am Abend würde ich das Elbufer erkunden und nach guten Bildkompositionen Ausschau halten. Am nächsten Morgen würde ich vor Sonnenaufgang aufstehen und die Bildideen umsetzten.
Durch etwas Glück war mein Kundentermin schon zeitig zu Ende und so gelang es mir, vor Sonnenuntergang mit dem Location-Scouting zu beginnen. Losgelöst und ohne jeglichen Druck verschoss ich auf diesem Erkundungsgang die erste Rolle Film.
Zu meiner Überraschung schaffte ich es am nächsten Morgen wie geplant aufzustehen. Wie auch schon am Morgen zuvor waren das Wetter zwar kalt, aber wolkenfrei und das Licht fantastisch. Ich hatte etwas über eine Stunde um rechtzeitig zu meinem Kundentermin zu kommen. Genug Zeit um eine weitere Rolle Film vollzuschießen.

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